Angeblicher „Saubermann der Prostitution“ verurteilt

Stuttgarter Landgericht verurteilt Jürgen Rudloff im Paradise-Prozess zu 5 Jahren Haft. Foto: Tresckow  Lizenz: CC BY 3.0  Stuttgarter Landgericht verurteilt Jürgen Rudloff im Paradise-Prozess zu 5 Jahren Haft. Foto: Tresckow Lizenz: CC BY 3.0 TERRE DES FEMMES begrüßt das historische Urteil des Stuttgarter Landgerichts zur Inhaftierung des Bordellbetreibers Jürgen Rudloff. Nach monatelangen Gerichtsverhandlungen verurteilte das Gericht am 27. Februar 2019 den Betreiber des „Paradise“-Bordells in Stuttgart und seinen Mitarbeiter Michael Beretin zu 5 bzw. 3 Jahren Haft. Tatbestände beinhalteten sowohl die „Beihilfe zur Zuhälterei“ und „Beihilfe zum schweren Menschenhandel“ als auch „gewerbsmäßigen Betrug“. Rudloff und Beretin wurden dafür verurteilt, dass sie zur jahrelangen sexuellen Ausbeutung von mindestens 17 jungen Frauen durch Menschenhändler und Zuhälter beigetragen haben.

Lange wurden Betreiber von Großbordellen nicht nur geduldet, sondern zelebriert. Jürgen Rudloff tourte jahrelang durch Talkshows und galt als der Inbegriff des „Saubermanns“ der Sexindustrie. Sein Marketingleiter Beretin war sogar als „Pufftester“ für RTL II unterwegs. Sie haben durch ihre Auftritte und Aussagen über Prostitution als „saubere Sexarbeit“ das Bild der Prostitutionsgewerbes in Deutschlands maßgeblich geprägt. Die FAZ summiert „Jürgen Rudloff verstand es, den Eindruck zu erwecken, dass Prostitution ein normales Geschäft sei“.

Glücklicherweise ließen sich die Stuttgarter Richter davon nicht blenden und kamen zu einem ganz anderen Urteil. Sie haben die tatsächlichen Zustände in deutschen Großbordellen ausführlich hinterfragt. Sie urteilten, dass Rudloff Menschenhändlern im „Paradise“ freie Hand gelassen habe. Das junge Frauen dabei auch mittels Gewalt und Demütigungen zur Prostitution gezwungen wurden, war egal. Das Märchen der sauberen gewaltfreien Prostitution im großen kommerziellen Stil findet durch dieses Gerichtsurteil nun ein Ende. Im Urteilsspruch selbst war von einer „Signalwirkung“ die Sprache. Hoffentlich führt dies zu mehr Verurteilungen von Profiteuren der Prostitution und des Frauenhandels und einer breiteren öffentlichen Aufarbeitung der tatsächlichen Zustände hinter dem glitzernden Marketing-Image der Prostitution, von dem sich viele in Deutschland leider blenden lassen.

Der Paradise-Prozess zeigt, wie Profiteure der Prostitution zum Frauenhandel beitragen. Die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Frauen ist kein sauberes Geschäft sondern Gewalt an Frauen. TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass in Deutschland ein Sexkaufverbot eingeführt wird und Ausstiegsprogramme für Prostituierte finanziert werden. Die Nachfrage nach käuflichem Sex muss in den Fokus der Gesetzgebung gesetzt werden, und die vielen Profiteure der Prostitution müssen belangt werden.

 

Stand: 03/2019

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