Der "Zornige Kaktus" 2021

And the winner is…

Nun ist es offiziell: Der Gewinner des „Zornigen Kaktus“ 2021 ist der Landhandel Surmühle in Teisendorf!

Mit dem Slogan „Putzsklaven zu verkaufen!“ und einer erotisch dargestellten jungen Frau versucht Surmühle Saugroboter zu vermarkten. Eine auf gleich drei Ebenen fragwürdige Strategie: Die Worte „Sklave“ und „zu verkaufen“ verharmlosen das rassistische System der Sklaverei, und das Wort „Putzsklaven“ lässt auch mit erschreckender Ignoranz außer Acht, dass Tausende Menschen – meist Zugewanderte, meist Frauen – in Deutschland als unterbezahlte Putzkräfte schuften müssen. Und nicht zuletzt: Die Darstellung der Frau bedient das Klischee des Frauchens, das nur noch zum Sex verfügbar zu sein hat, jetzt, wo der iRobot das Putzen erledigt.

© D.B.

 

 

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Interview mit PassantInnen: „Diese Werbung gehört definitiv nicht ins 21. Jahrhundert!“

Nicht nur, dass über 1.800 Menschen die Werbung so frauenverachtend fanden, dass sie definitiv den „Zornigen Kaktus“ 2021 verdient hat, auch haben wir PassantInnen in Berlin, Hamburg und Kiel gefragt, was Sie von der Werbung halten. Hier geht es zum Video.

 

Unser Einsatz wirkt: die Reaktion von iRobot

TERRE DES FEMMES stellte dieses Jahr allgemein auch eine erfreuliche Entwicklung fest: Als TERRE DES FEMMES die Herstellerfirma iRobot mitteilte, dass eine Werbung für eines ihrer Produkte nominiert ist, kam binnen 24 Stunden die Antwort – sowohl vom Sitz der Firma in Massachussetts, also auch von der deutschen Niederlassung -, dass sich iRobot ausdrücklich vom dargestellten Inhalt distanziert und dass das Unternehmen nicht an der Entstehung beteiligt war.

Das Unternehmen iRobot hat uns folgenden Disclaimer zugesandt:

iRobot war weder an der Erstellung noch der Verbreitung dieser Anzeige beteiligt. iRobot lehnt diese Botschaft ausdrücklich ab.
iRobot nimmt diese Angelegenheit sehr ernst und führt weitere Untersuchungen durch, um sicherzustellen, dass diese Anzeige entfernt wird und unsere Logos und Produkte nicht missbraucht oder in einer Weise dargestellt werden, die unseren Richtlinien und Werten widerspricht.

TERRE DES FEMMES begrüßt die allgemeine positive Entwicklung und dass immer mehr Firmen auf Sexismus als Marketing-Strategie verzichten. Der hartnäckige Kampf gegen Sexismus in der Werbung, der von TERRE DES FEMMES und anderen seit Jahren geführt wird, hat bereits einige Veränderungen bewirkt. Immer mehr Städte, wie z.B. Berlin, Bremen oder München gehen mit gutem Beispiel voran und verbieten sexistische Werbung auf der Straße. Auch die Wahrnehmung und der Anspruch der Kundschaft hat sich stark verändert.

TERRE DES FEMMES hofft, dass noch viel mehr Betriebe in ihrem Marketing künftig ohne sexistische Klischees und frauenverachtende Rollenbilder arbeiten werden. Denn:"Sexism shouldn't sell!".

Seit 2014 vergibt TERRE DES FEMMES den „Zornigen Kaktus“, und schon seit 1991 befasst sich der Verein mit sexistischer Werbung – mehr dazu in unserer Rubrik „Zurückgeblättert“.


© C.K.

Platz 2 …

Mit 792 Stimmen geht der zweite Platz an: Jesus Gartentechnik mit dem Slogan „Ist Ihre Alte nicht mehr scharf? Dann holen Sie sich `ne Neue!“. Damit versucht das Gartencenter in Lippstadt Kettensägen zu verkaufen.

Unsere Jury sagt dazu: Hier wird suggeriert, dass man(n) das Recht und die Möglichkeit hat, eine Frau wie einen Gebrauchsgegenstand gegen eine Neue auszutauschen, sobald sie älter und darum nicht mehr „scharf genug“ ist. Der Sexismus richtet sich hier gegen die eigene Partnerin, die vermutlich schon einige Jahre an der Seite des Mannes lebt, der aber davon ausgeht, dass er natürlich jederzeit eine „Neue“ finden kann.


© G.S.

und Platz 3

Mit 421 Stimmen hat es das Schlafzentrum Nägele Betten & Mehr auf den dritten Platz des „Zornigen Kaktus“ 2021 geschafft. Das Unternehmen wirbt mit einer jungen Frau, die auf einer Matratze liegt und den Betrachter mit ihren Blicken in ihren Bann zieht. Darunter die Aufschrift „Irgendwann… schläft jeder mit uns.“.

Die verführerisch wirkende Werbung wird von unserer Jury so eingeschätzt: Es geht um Betten, klar, dass da Sex ins Spiel kommt. Das Problem ist aber: Diese Werbung richtet sich offensichtlich und ausschließlich an männliche Kunden. Die Suggestion von der ständigen sexuellen Verfügbarkeit der Frau ist das eine. Aber offenbar geht man davon aus, dass es der (heterosexuelle) Mann ist, der die Kaufentscheidung trifft (und zwar nicht mit dem Kopf) und bezahlt. Damit werden Rollenbilder bedient, über die wir längst hinweg sein sollten.


Danke!

Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben: egal, ob selbst etwas eingesendet, abgestimmt oder uns in den sozialen Medien unterstützt. Gemeinsam sagen wir Sexismus als Werbestrategie den Kampf an!

 

Wer war noch dabei?

Eine vollständige Liste der Einreichungen für den Zornigen Kaktus 2021 (PDF-Datei)