Ereignisse aus dem Jahr 2012

Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit

Unter dem Titel „Aktuelle Situation der Opfer von Frauenhandel in Deutschland – Was ist zu tun?“ lud TERRE DES FEMMES im Mai 2012 in Berlin zu einem Themenabend mit Podiumsdiskussion ein. Nach einer Einführung durch Sarah Schwarze von dem Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. diskutierten Caren Marks (MdB, SPD, Sprecherin der AG Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Juliane von Krause (Koordinatorin der TDF-Arbeitsgruppe Frauenhandel und Prostitution) und Sarah Schwarze unter der Podiumsleitung von Irmingard Schewe-Gerigk (TERRE DES FEMMES-Vorstandsvorsitzende) über Möglichkeiten zur Verbesserung der rechtlichen Situation für Betroffene von Frauenhandel. Über 60 Personen beteiligten sich an diesem Austausch.

TERRE DES FEMMES protestierte gegen die Sendung „ Auf Brautschau im Ausland – Junggesellen versuchen ihr Glück im Ausland“ bei Sat.1. In der Dokusoap reisen deutsche Männer nach Thailand, Russland oder auf die Philippinen, um ihre „Traumfrau“ zu finden. Das Format dieser Sendung stuft TERRE DES FEMMES als hoch problematisch ein, da es die prekäre Situation von Frauen zur Unterhaltung des deutschen Fernsehpublikums ausnutzt. Da die Frauen nur ein von ihrer Ehe abhängiges Bleiberecht erhalten, sind sie oft gezwungen in den Beziehungen zu bleiben. Unser Protest wurde von der Presse aufgenommen und fand großen Widerhall bei den Fans unserer Facebook-Seite, die ebenfalls Protestmails an Sat.1. schrieben. Schließlich sah sich der Geschäftsführer von Sat.1. gezwungen, zu reagieren und meldete sich bei TERRE DES FEMMES.

Die TERRE DES FEMMES Wanderausstellung „Ohne Glanz und Glamour – Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung“ war 2012 im Frauenzentrum Courage in Magdeburg zu sehen.

Der TERRE DES FEMMES-Flyer „Ware Frau“ wurde 2012 überarbeitet, neu aufgelegt und im Jahr 2012 rund 6.000 Mal verteilt.

 

TERRE DES FEMMES Kampagne

Am 18. Oktober 2012, dem europäischen Tag gegen Menschenhandel, startete TERRE DES FEMMES die Kampagne „Aufenthaltsrecht für Opfer von Zwangsprostitution, jetzt!“, um die Prekäre Rechtssituation in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Rechtlich haben Betroffene derzeit kaum Möglichkeiten, in Deutschland zu bleiben. Das langfristige Ziel der Kampagne ist es, eine Gesetzesänderung zu erwirken, die Opfern von Frauenhandel einen unbefristeten und von ihrer Zeuginnenaussage unabhängigen Aufenthaltstitel für Deutschland garantiert. Dieser Forderung verlieh TERRE DES FEMMES durch eine breit angelegte Unterschriftensammlung Nachdruck, die die politischen AkteurInnen zum Handeln aufforderte.

Begleitet und bekannt gemacht wurde die Unterschriftenaktion durch politisches Aktionstheater, das mit Beginn der Kampagne zwei Wochen lang durch Deutschland tourte. In zwölf Städten machte unsere professionelle Theatergruppe in Fußgängerzonen auf die Problematik aufmerksam und verteilte Unterschriftenlisten sowie mit den Kampagnenforderungen bedruckte und an die direkt gewählten Bundestagsabgeordneten der jeweiligen Städte adressierte Postkarten. Insgesamt verteilten wir über 10.000 Postkarten, die für die Kampagne warben und fast noch einmal so viele, die mit unseren Forderungen an verschiedene Bundestagsabgeordnete adressiert waren.

Über Facebook berichteten wir täglich über die Theateraktion und boten auch über dieses Medium die Möglichkeit, sich an der Unterschriftensammlung zu beteiligen. Zusätzlich wurden im November 2012 über 40 Bundestagsabgeordnete angeschrieben, um sie auf das die prekäre Rechtssituation aufmerksam zu machen. Daraufhin folgten zahlreiche Gesprächsangebote. Eine der Oppositionsparteien des Landes Berlin griff unsere Forderung zur Kampagne auf und das Land verabschiedete unterdessen einen entsprechenden Gesetzesantrag auf Landesebene. Zum Jahresende wurden mehr als 7.500 Unterschriften gezählt. Zudem war die Kampagne Schwerpunktthema der TERRE DES FEMMES-Fahnenaktion zum 25. November 2012. Fast 90 Veranstaltungen fanden deutschlandweit zu dem Thema statt. Die Kampagne wurde von der Bewegungsstiftung, der Sebastian-Cobler Stiftung und der Stiftung:do unterstützt.

 

Lobbyarbeit und Vernetzung

TERRE DES FEMMES begleitete die aktuellen Entwicklungen zur Umsetzung der Europaratskonvention gegen Menschenhandel im Bundestag. Schon im Herbst 2011 legte die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf zur Ratifizierung der Konvention vor. Nachdem Deutschland 2005 zu den ersten Zeichnern der Konvention gehörte, war es eines der letzten Länder, das sie auch ratifiziert. Der Gesetzentwurf wurde seitdem in vier Ausschüssen beraten, dem Familien-, Innen-, Rechts- und Menschenrechtsausschuss. Bei öffentlichen ExpertInnenanhörungen in zwei Ausschüssen 2011 und 2012 bezog TERRE DES FEMMES Stellung und kritisierte vor allem, dass der Antrag keinen ausreichenden Schutz für die Opfer von Menschenhandel gewährleistet. Die Oppositionsparteien griffen unsere Kritik zum Teil auf und stellten dementsprechende Änderungsanträge. Im Sommer 2012 schrieb TERRE DES FEMMES im Vorfeld der Gleichstellungs- und FrauenministerInnenkonferenz Bundesministerin Kristina Schröder sowie alle MinisterInnen zum Thema Freierbestrafung bei Zwangsprostitution und Verbesserung der Rechtslage der Opfer von Menschenhandel an. In dem Schreiben gingen wir auf die verschiedenen Argumente ein, die seit Jahren eine Einführung der Bestrafung von Freiern bei Zwangsprostitution verhindert. Einige MinisterInnen antworteten auf unsere Initiative und es entstand ein angeregter Austausch.

TERRE DES FEMMES ist aktives Mitglied des bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel und nimmt an den regelmäßigen Mitgliederversammlungen und Vernetzungstreffen teil.