Gedenkveranstaltung anlässlich des 14. Todestags von Hatun Sürücü am 07.02.2019

 Der Gedenkstein des „Ehren“-Mordopfers Hatun Sürücü 2018. Foto: © TERRE DES FEMMES Der Gedenkstein des „Ehren“-Mordopfers Hatun Sürücü 2018. Foto: © TERRE DES FEMMESAm kommenden Donnerstag, den 07.02.2019 jährt sich der Todestag von Hatun Sürücü zum 14. Mal. Mit 15 war sie zwangsverheiratet worden, versuchte sich aber mit zunehmendem Alter, aus einengenden, patriarchalen Familienstrukturen zu lösen und selbstbestimmt zu leben. Am 7. Februar 2005 wurde die Deutsch-Türkin deshalb im Alter von 23 Jahren auf offener Straße von ihrem jüngeren Bruder niedergeschossen. Durch den „Ehren“-Mord sollte die durch ihr Verhalten vermeintlich verletzte Familienehre wiederhergestellt werden. Um an die mutige junge Frau zu erinnern, findet am Tatort in der Oberlandstraße am 7. Februar um 14 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung statt. Gemeinsam mit dem Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung ruft TERRE DES FEMMES dazu auf, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Sie soll auch darauf aufmerksam machen, dass es vor und nach Hatun Sürücü vielen anderen jungen Frauen, die sich nicht dem Familiendruck beugten, ähnlich erging. Wie sehr auch andere Mädchen, Frauen und zunehmend junge Männer unter traditionellen Ehrvorstellungen – die in Wahrheit dem Erhalt patriarchalischer Normen und Machtverhältnisse dienen – leiden, zeigen Rechercheergebnisse von TERRE DES FEMMES: Im Zeitraum 2018 bis Februar 2019 gab es in Deutschland acht Fälle von Morden und Mordversuchen (PDF), denen ausdrücklich Ehrmotive zugrunde lagen, die Dunkelziffer ist vermutlich höher.

Gewalt im Namen der Ehre äußert sich allerdings nicht nur in Morden und Mordversuchen: Wie Hatun Sürücü werden auch heute noch minderjährige Mädchen früh- oder zwangsverheiratet und sind potenzielle Opfer von psychischer und physischer Gewalt, wenn sie sich gegen Unterdrückung wehren und nach eigenen Vorstellungen leben wollen. Zwangsheiraten stellen in Deutschland keine seltene Ausnahmeerscheinung dar, in den letzten Jahren ist sogar ein Anstieg zu verzeichnen. Dies verdeutlichen Zahlen des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung.

TERRE DES FEMMES setzt sich durch Kampagnen und Projekte für die Aufklärung zu und Bekämpfung von Früh- und Zwangsverheiratung und „Ehren“-Morden ein. In diesem Rahmen ist im Dezember 2018 die Website stopchildmarriage.de online gegangen, welche in verschiedenen Sprachen in einfachen Worten zum Thema informiert und auf Beratungsstellen verweist. 

Stand 02/2019

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