Erster Frauenkreis und Workshop im Modellprojekt „Mit Sicherheit Teilhabe: Frauen stärken – Zukunft gestalten“
„Die Zukunft wird besser"
„Gemeinsam stark – Frauen stärken einander“ Der erste Frauenkreis und Workshop im Modellprojekt „Mit Sicherheit Teilhabe: Frauen stärken – Zukunft gestalten“ hat in Berlin stattgefunden.
Ein Raum für Begegnung, Austausch und Empowerment
Berlin, November 2025: Im Rahmen des Modellprojekts „Mit Sicherheit Teilhabe. Frauen stärken – Zukunft gestalten“ kamen Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern zum Frauenkreis und Workshop zusammen. Das Modellprojekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Alle Teilnehmerinnen leben in einem Berliner AWO-Refugium und viele von ihnen haben bereits beim Auftaktfrühstück im September teilgenommen.
Das Format bot die Möglichkeit, die Erfahrungen der Teilnehmerinnen sichtbar zu machen und gemeinsam über Frauenrechte, Teilhabe und Selbstbestimmung zu sprechen. Der Fokus lag auf Empowerment und Sensibilisierung und somit die Frauen zu stärken, miteinander ins Gespräch zu kommen und über Frauenrechte und Gewaltschutz zu informieren.
Ein geschützter Raum im Kreis von Frauen
Zu Beginn des Frauenkreises wurden sogenannte Emotionskarten ausgegeben. Die Frauen wählten jeweils eine Karte aus. Sie entschieden selbst, ob sie ihre Auswahl im Frauenkreis mit den anderen Frauen teilen wollten. Sprachmittlerinnen unterstützen bei den Übersetzungen. Die Teilnehmerinnen sprachen offen im Kreis der Frauen, warum sie sich für das jeweilige Motiv entschieden hatten.
Eine der Frauen griff zu einer Karte, auf der eine Gestalt abgebildet war, die untere Hälfte aus kräftigen Baumwurzeln, die obere Hälfte ein Mensch. Sie erklärte: „Ich möchte genauso stark sein.“Eine andere Teilnehmerin hielt eine Karte mit Eierschalen in den Händen. Ihre Worte: „Ich habe das Gefühl, dass man nirgends mehr sicher ist, weil alles zerstört ist.“
Emotional war auch die Wahl der Karte mit einem kleinen Gewächshaus: Die Frau, die sie zeigte, erinnerte sich dabei an ihre zerstörte Gartenhütte in der Ukraine. Den Ort, den sie sehr gemocht hatte, ist für immer zerstört und sie sieht keine Hoffnung je wieder zu ihm zurückkehren zu können.
Eine weitere Teilnehmerin präsentierte eine Karte mit einer Person, deren Haare aus Blumen bestehen, für sie ein Bild dafür, „dass es die Schönheit immer noch gibt.“
Eine Karte der „Hoffnung darauf, dass es in der Zukunft besser wir“ zeigte eine weitere Teilnehmerin. Auf der Karte war eine Kerze abgebildet, die angezündet wird.
Schließlich zeigte eine Frau eine Karte, auf der ein Mensch allein im Meer steht: „Überall ist Gefahr, aber ich habe trotzdem ein bisschen Sicherheit gefunden“, sagte sie.
Austausch im Frauenkreis – Empowerment durch Gewaltschutz
Im anschließenden Austausch erzählten die Teilnehmerinnen von ihrer aktuellen Situation in der Unterkunft, ihren Herausforderungen sowie ihren Sorgen. Das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft, in der Küche und Sanitätsräume mit anderen BewohnerInnen geteilt werden, ist nicht einfach. Viele Teilnehmerinnen wohnen bereits mehrere Jahre in der Unterkunft und der Alltag erfordert oftmals Kompromisse und Anpassung.
Positiv sehen die Teilnehmerinnen, dass ihnen der Frauenkreis die Möglichkeit bietet, sich weiter zu bilden und zu vernetzen. Sie möchten zukünftig auch mehr miteinander sprechen, um einander zu unterstützen. Der Austausch zeigte deutlich, wie wichtig Empowerment und Gemeinschaft für die Teilhabe und Selbstbestimmung der Frauen sind. Der Kreis von Frauen schafft Vertrauen und Empowerment.
Sensibilisierung und Aufklärung – Vortrag zu weiblicher Genitalverstümmelung
Ein Höhepunkt des Frauenkreises war der Vortrag der Frauenrechtsaktivistin Habiba Al-Hinai zum Thema weibliche Genitalverstümmelung (Englisch: female genital mutilation kurz FGM). In ihrem Beitrag sensibilisierte sie für die Frauenrechtsverletzung, berichtete von den Folgen und den Hintergründen der Praxis sowie den Möglichkeiten, Unterstützung und Beratung zu erhalten. Im anschließenden Austausch konnten die Teilnehmerinnen Fragen stellen und sich über das Gehörte austauschen.
Raum für Kreativität und Selbstermächtigung
Beim Auftaktfrühstück im September haben sich die Teilnehmerinnen ausgetauscht und abgestimmt, welche Aktivität sie während des Frauenkreises und Workshops durchführen möchten. Gewonnen haben „Jutebeutel-Nähen“ und „Keramik bemalen“. Die kreative Tätigkeit gab Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. Eine ehemalige Schneiderin half beim Nähen. So wurde der Raum zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs. Die selbst hergestellten Erzeugnisse erinnern die Frauen im Alltag an Räume, in denen es um ihre Rechte, ihre Erfahrung und ihre Bedürfnisse geht. Die Kinder der Frauen wurden währenddessen von einer Kinderbetreuung beaufsichtigt. Für viele Frauen eine kurze Auszeit ihrer hohen Care-Arbeit-Belastung und eine der wenigen Möglichkeit eigene Bedürfnisse und Interessen in den Mittelpunkt zu stellen.
Ein besonderer Moment entstand, als eine der Übersetzerinnen ein Lied sang. Es erzählte von einer Frau, die ein Instrument spielt, um nicht mehr traurig zu sein.
Gemeinsame Abstimmung
Partizipation und demokratische Teilhabe erfahren die Teilnehmerinnen durch die demokratischen Abstimmungen über die gemeinsamen Projektaktivitäten. Verschiedene Ideen wurden gesammelt, diskutiert, ausgetauscht, beratschlagt. Zwei junge Frauen aus dem Frauenkreis zeigten der Gruppe ihre Hobbys. Eine junge Frau aus Syrien stellte kunstvolle Blumen aus Pfeifenputzer/ Chenilledraht her, eine andere junge Frau aus der Ukraine stellte aus Filz und Wolle kleine Figuren her. Die Filzfiguren gewannen die Abstimmung. Beim nächsten Frauenkreis im neuen Jahr werden die Frauen kleine Filzfiguren herstellen. Zugleich äußersten sich den Wunsch noch mehr über Frauenrechte zu erfahren und sich weiter zu informieren.
Ausblick – Frauen stärken und Teilhabe ermöglichen
Das Projekt wird mit weiteren Veranstaltungen fortgesetzt. Auch in Zukunft stehen Empowerment, gegenseitige Unterstützung und Sensibilisierung im Mittelpunkt, um Frauen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und selbstbestimmt zu handeln.
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