Selbstbestimmt & Stark: Aufklärung über den Mythos Jungfernhäutchen

Am 01. September 2025 startete das von Aktion Mensch geförderte Projekt „Selbstbestimmt & Stark: Aufklärung über den Mythos Jungfernhäutchen“. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und hat das Ziel, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte in der Jugend- und Elternarbeit für die Folgen des Mythos zu sensibilisieren, sie nachhaltig zu stärken und medizinisches Wissen zum Hymen zu vermitteln

Der Mythos vom “Jungfernhäutchen”

Jungfer, Jungfrau, Jungfernhäutchen, Schamlippen, Schamhaare, Schambereich – schon in unserer Sprache wird deutlich, wie stark die Körper von Mädchen und Frauen seit Jahrhunderten mit Vorstellungen von Reinheit, Moral und Scham verknüpft sind. Der Mythos vom Jungfernhäutchen wird dabei immer wieder genutzt, um junge Frauen in ihrer Lebensgestaltung zu begrenzen und ihnen ihre sexuelle Selbstbestimmung zu verweigern. Dass es eigentlich kein Jungfernhäutchen gibt, wissen nur wenige. Und so bleibt ein patriarchaler Mythos bestehen, der bis heute Scham, Kontrolle und Ungleichheit fortschreibt. Dabei ist das “Jungfernhäutchen” als ein gesellschaftliches Konstrukt zu verstehen, dass nicht nur Mädchen und Frauen, sondern auch Jungen und Männer prägt: Es betrifft uns alle.

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Das Hymen reißt nicht durch, es ist dehnbar

Es gibt kein “Jungfernhäutchen”, dafür aber das Hymen. Das Hymen ist eine weiche und dehnbare Schleimhautfalte, ein Art Hautkranz am Eingang zur Vagina. Es ist individuell unterschiedlich ausgeprägt und kommt so in verschiedenen Formen vor. Manche Frauen haben gar kein Hymen. Das Hymen verschließt den Vaginaleingang nicht und kann auch nicht automatisch beim ersten penetrativen Sex “durchreißen”. Anatomisch betrachtet lässt es auch keinen Rückschluss auf “Jungfräulichkeit” zu.

Diese anhaltende Desinformation ist sehr problematisch: Im deutschen Bildungssystem wird sexuelle Aufklärung über die weibliche Anatomie meist vernachlässigt, ganz zu schweigen von den verschiedenen gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Komponenten. Sensible Aufklärung und korrekte Anatomiekenntnisse sind entscheidend, um den Mythos zu widerlegen und die falsche Verbindung zwischen Hymen und “Jungfräulichkeit” zu lösen.

Zeit für Dialog, Aufklärung und Enttabuisierung – Aber wie?

Ziel des Projektes ist es Wissen zum Hymen zu vermitteln, Selbstbestimmung zu fördern und langfristig gesellschaftliche Normen positiv zu verändern.

Projektbaustein Jugendarbeit

  • In den drei Projektjahren wird TERRE DES FEMMES Workshops für Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren an ca. 35 Berliner Schulen sowie ca. 10 Berliner Freizeittreffs, insbesondere Mädchentreffs, durchführen.
  • Die Workshops starten im September 2026.
  • Sie werden in Zusammenarbeit mit ÄrztInnen der ÄGGF (Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V.) erarbeitet und durchgeführt. Die SchülerInnen haben die Möglichkeit, sich interaktiv in die Workshops einzubringen und in der Nachbereitung mit neu erstellten Materialien das Thema weiter zu erarbeiten.
  • Darüber hinaus wird TDF gemeinsam mit ÄrztInnen der ÄGGF digitale Schulungen für Fachkräfte in der Jugendarbeit entwickeln und ab September 2026 bundesweit durchführen.

Projektbaustein Elternarbeit

  • In Zusammenarbeit mit Fachkräften in der Elternarbeit und ÄrztInnen der ÄGGF wird eine Elternbroschüre zum Mythos Jungfernhäutchen entwickelt. Diese wird medizinische Fakten zum Hymen vermitteln und in acht verschiedenen Sprachen wie auch in Leichter Sprache auf Deutsch angeboten. Die Elternbroschüre wird ab September 2026 über den TDF-Shop und über MultiplikatorInnen kostenlos verbreitet.
  • In Zusammenarbeit mit Fachkräften aus der Elternarbeit wird TDF weiterhin Fachkräfteschulungen für die Elternarbeit entwickeln. Diese kultursensibel gestalteten Schulungen sprechen insbesondere tabuisierte Themen bei Eltern an und werden ab September 2026 von Fachkräften in der Elternarbeit an verschiedenen Berliner Einrichtungen durchgeführt.

Projektzeitraum: 01.09.2025 - 31.08.2028

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