TDF-Webinare in der Evaluation
Mit einem Projekt gefördert durch die Postcode Lotterie leistet TERRE DES FEMMES Gewaltprävention und Kompetenzförderung an Schulen. Denn Bildung ist ein zentraler Schlüssel zu einer friedlicheren und gerechteren Gesellschaft und damit auch zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt. Sie befähigt Menschen, Vorurteile zu hinterfragen, Empathie zu entwickeln und gesellschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen. Wie dringend wir dieses Potenzial nutzen müssen, zeigt ein Blick auf aktuelle Daten.
Das Bundeslagebild 2024 des BKA zeichnet ein alarmierendes Bild der geschlechtsspezifischen Gewalt in Deutschland. Im Fünfjahresvergleich stiegen die Fallzahlen betroffener Frauen deutlich an: Häusliche Gewalt nahm um 16 % auf 187.000 Fälle zu, digitale Gewalt sogar um 111 % auf 18.000 Fälle. Auch die Zahlen sexualisierter Gewalt wuchsen um 33 % auf 53.000 Fälle, darunter die Hälfte Minderjährige. Diese Entwicklung unterstreicht, wie entscheidend es ist, frühzeitig und wirksam gegenzusteuern.
TERRE DES FEMMES (TDF) engagiert sich seit vielen Jahren in der schulischen Präventionsarbeit und baut dieses Angebot 2025 dank einer Förderung der Postcode Lotterie weiter aus. Schulen können sich kostenlos anmelden und 90‑minütige, meist digitale, Webinare buchen, die speziell auf die Lebensrealität junger Menschen zugeschnitten sind.
Inhalte der Seminare: Sicher im digitalen Raum
Das Projekt umfasst vier Webinare zu den Themen Sexting, Hate Speech, Cybergrooming und Mädchenhandel durch die Loverboy-Methode. Ziel dieser Bildungsformate ist es, Wissen zu vermitteln, Kompetenzen zu stärken und Jugendliche im digitalen wie analogen Alltag zu schützen.
Sexting beschreibt das freiwillige Versenden erotischer Inhalte, häufig innerhalb von romantischen Beziehungen. Doch sobald intime Aufnahmen in falsche Hände geraten, drohen Erpressung oder illegale Verbreitung. Da viele SchülerInnen bereits in jungem Alter Kontakt mit Nacktaufnahmen haben, ist die Vermittlung von Handlungs- und Schutzstrategien essenziell.
Beim Kontakt mit Fremden über soziale Medien droht Cybergrooming: Jedes vierte Kind in Deutschland ist bereits davon betroffen. Dabei geben sich Erwachsene als Gleichaltrige aus und bauen gezielt eine emotionale Beziehung zu ihnen auf, um intime Bilder oder andere Formen des sexualisierten Kontaktes (z.B. Treffen, Gespräche) zu erschleichen. Die manipulativen Vorgehensweisen der TäterInnen machen deutlich, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche dafür zu sensibilisieren und ihnen Schutzstrategien an die Hand zu geben.
Bei der Loverboy-Methode geht die Manipulation einen Schritt weiter: TäterInnen geben vor, eine Liebesbeziehung aufzubauen, machen Betroffene emotional von abhängig und zwingen sie schließlich zur Prostitution. Rund ein Fünftel der Betroffenen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung fällt in dieses Muster. Die Webinare helfen potenziellen Betroffenen, solche Dynamiken zu erkennen und mögliche Gefahren früh wahrzunehmen.
Auch Hate Speech steht im Fokus. Die Botschaft dieses Webinar-Angebots ist klar: Hass ist keine Meinung. Beleidigungen, Diskriminierungen und Drohungen verletzen die Menschenwürde, online wie offline. Die Webinare vermitteln, wie es gelingen kann, Haltung zu zeigen, zu intervenieren und Sprache bewusst gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung einzusetzen.
Frühe Aufklärung – nachhaltige Wirkung
Von den insgesamt 60 geförderten Webinaren haben bereits 20 stattgefunden. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Die Mehrheit der SchülerInnen und Lehrkräfte bewerten die Themen als relevant und alltagsnah.
Rückmeldungen, die mithilfe eines Evaluationstools erhoben wurden, zeigen deutlich: Die Webinare vermitteln der Zielgruppe nicht nur neues Wissen, sondern stärken zugleich ihr Selbstvertrauen und ihre Handlungskompetenz.
Präventionsarbeit an Schulen ist eines der wirksamsten Mittel, um Gewalt langfristig entgegenzuwirken. TDF begleitet Jugendliche dabei fachlich fundiert und praxisnah. Das Ziel ist klar: Gewalt dort zu verhindern, wo sie entsteht, und Kindern wie Jugendlichen das Wissen und die Fähigkeiten zu vermitteln, sich selbst und andere zu schützen – und erst gar nicht zu TäterInnen zu werden.
Die überwiegend positive Resonanz bestätigt den hohen Bedarf an Aufklärung. Jedes einzelne Webinar ist ein weiterer Schritt hin zu einem selbstbestimmten, solidarischen und sicheren Miteinander.