„Ich will mal so werden wie du.“ – Das 2. CONNECT-Austauschtreffen 2019

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESAm 4. Juli 2019 hat Désirée Birri, Projektreferentin im Referat Gleichberechtigung und Integration, die CONNECT-Patinnen in die TERRE DES FEMMES-Geschäftsstelle eingeladen. In kleiner und gemütlicher Runde sind die Frauen über Frust, Freundschaft und Fortschritte ins Gespräch gekommen.

Wohnungssuche

Die Suche nach geeignetem Wohnraum ist nach wie vor ein aktuelles, aber auch frustrierendes Thema. Aus diesem Grund hat sich Vera aus der Wohnungssuche zurückgezogen. Sie hat ihrer Tandempartnerin und deren Familie Wohnungsbaugesellschaften genannt und erklärt, wie sie im Internet recherchieren können. Inzwischen ruft die 13-jährige Tochter bei den Vermietern an. Gelebte Hilfe zur Selbsthilfe.

Auch bei Angelikas Tandempartnerin und Familie ist Wohnungssuche an der Tagesordnung. Die Familie möchte gerne aus der Unterkunft ausziehen, gleichzeitig aber nicht außerhalb des S-Bahn-Rings wohnen und auch möglichst keinen Schulwechsel für die Kinder. Eine fremde Gegend bedeutet einen großen Schritt. Die Vorstellungen erschweren, neben den Vorgaben des Jobcenters, jedoch zusätzlich die Suche. Vor Kurzem kam auf Angelika eine Nachbarin der Familie zu und fragte, ob sie sie auch bei der Suche nach einer neuen Wohnung unterstützen könne. Da musste Angelika erst einmal eine Grenze ziehen und erklären, dass ihr das nicht möglich ist.

Sorgen und Ängste

An diesem Donnerstagabend wurde auch über Sorgen und Ängste gesprochen, vor allem in Bezug auf die Bleibeperspektive der Tandempartnerinnen und deren Familien. Was ist, wenn die Eltern (noch) nicht arbeiten? Können sie abgeschoben werden, wenn sie nicht „gut genug“ integriert sind? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge prüft in regelmäßigen Abständen, ob die Gründe für die Erteilung der Aufenthaltstitel noch vorliegen. Wenn dies der Fall ist, spielt der Grad der Integration keine Rolle. Anders sieht es aus, wenn das Ausreisehindernis nicht mehr vorliegt. Eine Abschiebung ist dann denkbar. Künftige Gesetzesänderungen oder Richtungswechsel in der Politik sind reine Spekulationen. Die Sorge schwingt seitens der Patinnen dennoch mit. Wichtig ist und bleibt innerhalb der Patenschaften deshalb das Hier und Jetzt: Wie kann ich im Moment unterstützen? Wobei soll ich helfen?

Die Dynamik innerhalb der Patenschaft kann sich verändern. Wie bei jeder Freundschaft, kann sich eine Frau auch mal zurückziehen. Der Umgang mit solch einer Situation bzw. ein mögliches (schwieriges) Gespräch wurde kurzerhand mithilfe eines Rollenspiels erprobt. Ganz wichtig: In Ich-Perspektive sprechen und möglicherweise eine Person hinzuziehen, die sprachlich unterstützen und kulturell bedingtes Verhalten erklären kann.

Vielfältige Tandems

Die Aufgaben und die Ausgestaltung der einzelnen Patenschaften unterscheiden sich. Angelika hat zu Beginn viel Hausaufgabenhilfe mit der Tochter und dem Sohn ihrer Tandempartnerin gemacht. Jetzt steht die psychische und physische Gesundheit der Mutter im Vordergrund.

Vera ist, nachdem sie ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, mit Jamileh zum Rechtsanwalt gegangen und hat sie während des Asylverfahrens mit Informationen unterstützt. Mit vollem Erfolg: Jamileh und ihre Familie sind nun im Besitz eines Aufenthaltstitels, den die Ausländerbehörde für drei Jahre ausgestellt hat. Auch die Deutschkenntnisse von ihrer Tandempartnerin haben sich stark verbessert. Eine Freundschaft ist entstanden. In den 1,5 Jahren, die sich die beiden Frauen schon kennen, tauschen sie sich regelmäßig über Kulturelles aus. Die Kinder von Jamileh nehmen ebenfalls viel aus der Patenschaft mit, sehen andere Lebensweisen: Eine Frau, die sich frei bewegen kann, reist, eine eigene Wohnung hat. Eine Tochter sagte zu Vera: „Ich will mal so werden wie du.“

Der Kulturaustausch steht auch bei Sarahs Tandem im Fokus. Sarah und Tharaa treffen sich häufig im Café. Als lustigen, offenen und fröhlichen Menschen bezeichnet Sarah ihre Tandempartnerin, die sie letztens zur Einweihungsfeier eingeladen hat. Bei „riesigen Bergen voll arabischem Essen“ wurde die neue Wohnung gefeiert. Ein weiterer Grund zur Freude: Tharaa hat ihren gewünschten Ausbildungsplatz bekommen – im Herbst geht es los.

Linda, die gerade die auf die Patenschaft vorbereitende Schulung mitgemacht hat, hat viele Eindrücke gewonnen und sieht ihrer Patenschaft schon voller Freude entgegen.

Herzlichen Dank an alle Patinnen für euer Engagement, euer Durchhaltevermögen und den guten Austausch.

 

Stand: 07/2019

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