• 14.01.2021

TERRE DES FEMMES fordert in der Lockdown-Notsituation die Entkriminalisierung von Prostituierten und flächendeckende Hilfs- und Ausstiegsangebote

Berlin, den 14. Januar 2021: Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Lage von Prostituierten in Deutschland höchst kritisch und prekär. Verschärft wird ihre Not auch durch den aktuellen zweiten Lockdown, der die Prostituierten mittellos hinterlässt. Die meisten Prostituierten werden durch kein Sozialsystem aufgefangen und Bundesregierung, Länder und Kommunen haben nicht einmal den kleinsten Lösungsansatz für direkte Hilfen und Ausstiegsprogramme zu Gunsten dieser vulnerablen Gruppe in die Wege geleitet.

Doch ohne angemessene Hilfs- und Ausstiegsangebote für Prostituierte kommt das jetzige Prostitutionsverbot im Lockdown einer Kriminalisierung von Prostituierten gleich. TERRE DES FEMMES fordert die Politik auf, dringend zu agieren und Prostituierten in dieser prekären Lage schnell umfangreiche Hilfen zur Verfügung zu stellen. „Es kann nicht sein, dass in Deutschland im 21. Jahrhundert Bordellbetreiber in der Pandemie finanzielle staatliche Hilfen bekommen, während Prostituierte im Stich gelassen werden“, so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Statt eines Prostitutionsverbots fordert TERRE DES FEMMES die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland. Dieses gesetzgeberische Modell entkriminalisiert Prostituierte und belangt stattdessen Sexkäufer und Profiteure der Prostitution strafrechtlich. Denn nur durch die Senkung der Nachfrage kann der Markt für Prostitution und Frauenhandel reduziert werden. Ausstiegsprogramme für Prostituierte sind jedoch der Dreh- und Angelpunkt dieses Modells und müssen so schnell wie möglich flächendeckend finanziert und eingerichtet werden, um Frauen in der Prostitution nicht mittellos zu hinterlassen.“

Deswegen fordert TERRE DES FEMMES die Bundesregierung dazu auf, schnellstens Hilfen und Ausstiegsangebote für Prostituierte ins Leben zu rufen.

Forderungen von TERRE DES FEMMES

  • Strafrechtliche Verfolgung von Sexkäufern und Betreibern, die sich über die gesetzliche Schließung der Prostitutionsstätten hinwegsetzen
  • Entkriminalisierung der Prostituierten, falls diese trotz Lockdowns bei der Ausübung der Prostitution angetroffen werden, da zumeist Zwang und Drohungen hinter der fortgesetzten Tätigkeit stehen
  • Einrichtung eines staatlichen Fonds für eine unkomplizierte und direkte finanzielle Unterstützung von Prostituierten
  • Kostenlose Unterkunftsmöglichkeiten, sowie die Ausgabe von Lebensmitteln und Kleidung an Prostituierte
  • Kostenlose medizinische Versorgung für Prostituierte, insbesondere Zugang zu Corona-Tests, und baldige Corona-Impfungen mit erhöhter Priorität, da Prostituierte Personen mit prekären Arbeits- und Lebensbedingungen sind - Beratungen über Ausstiegsmöglichkeiten, sowie Finanzierung von Ausstiegsprogrammen für Prostituierte

TERRE DES FEMMES zeigt sich zudem solidarisch mit der SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier, die sich ebenfalls unermüdlich für die Einführung eines Nordischen Modells in Deutschland einsetzt und aktuell von zahlreichen Bordellbetreibern wegen Verleumdung angezeigt wurde (Video). Dass Bordellbetreiber offensichtlich ausreichend Zeit und finanzielle Mittel für eine absurde Klage in Corona-Krisenzeiten haben, beweist einmal mehr, dass die jetzige staatliche Regulierung der Prostitution in Deutschland zu Gunsten der Profiteure und zu Lasten der Prostituierten, meistens Frauen, ausgerichtet ist.

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