Pressemitteilung | Mehr als 22.000 Mädchen gefährdet: Projekt SAFE kämpft gegen weibliche Genitalverstümmelung
Berlin, 03.02.2026. Am 6. Februar 2026 ist der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung – ein wichtiger Anlass, um auf diese schwere Menschenrechtsverletzung aufmerksam zu machen.
Weltweit sind über 230 Millionen Mädchen und Frauen von FGM (female genital mutilation) betroffen – ein Anstieg von 15 Prozent seit 2016. Jährlich sind vier Millionen Mädchen neu gefährdet. Auch in Deutschland leben laut Schätzungen von TERRE DES FEMMES etwa 101.778 betroffene Mädchen und Frauen. 22.292 weitere Mädchen unter 18 sind gefährdet. Sie alle haben ein Recht auf Schutz und Sicherheit. Dafür braucht es bei Fachkräften, in Schulen, Krankenhäusern, und in den Diaspora-Communitys gezielte Aufklärung und Sensibilisierung. Im Projekt SAFE arbeitet TDF daran – zusammen mit fünf weiteren europäischen NGOs, kofinanziert von der EU.
Das Projekt SAFE – Schutz, Aufklärung, Förderung, Empowerment
“Sehr lange war ich allein mit meiner Geschichte und meinem Schmerz. Bis ich meine Erfahrung und mein Wissen zu weiblicher Genitalverstümmelung teilen konnte. Dann begann etwas, das nenne ich die Kraft der Gemeinschaft. Als Community-Expertin bei SAFE erreiche ich mindestens 110 Menschen, und diese erreichen wieder Menschen, die von FGM betroffen sind... So entsteht Wissen, das sich nicht aufhalten lässt. Das ist der Weg, der Veränderung schafft“, sagt Bilkisu Conteh, Community-Expertin im TDF-Projekt SAFE
TERRE DES FEMMES setzt sich mit dem SAFE-Ansatz für den Schutz von Mädchen und Frauen ein: Durch eine europäische Handlungsempfehlung für Fachkräfte, Aufklärung und Trainings in Communitys, Schulen und Geflüchtetenunterkünften sowie durch aktives Empowerment von Mädchen und Frauen wird FGM aktiv bekämpft. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit betroffenen Communitys, mit medizinischem Personal und Schulen, um Betroffene aufzuklären, zu schützen und zu stärken.
Forderungen von TERRE DES FEMMES
- gezielte Thematisierung und Aufklärungsarbeit an Schulen mit den SchülerInnen
- eine bundesweit flächendeckende Versorgung mit strukturell verankerten psychosozialen, medizinischen und juristischen Fach- und Beratungsstellen
- Aus- und Weiterbildungen für Fachkräfte im sozialen, medizinischen, pädagogischen und juristischen Bereich sowie von Jugendämtern, Polizei, Ausländerbehörden und DolmetscherInnen
- die bundesweite Einrichtung interdisziplinärer Stellen (wie z.B. Berliner Koordinierungsstelle gegen FGM_C)
- die konsequente Anerkennung einer drohenden FGM als geschlechtsspezifische Verfolgung durch das BAMF im Rahmen von Asylverfahren
- regelmäßige Datenerhebungen und Studien zu FGM, deutschland- und weltweit
„Weibliche Genitalverstümmelung zu beenden, gelingt nur gemeinsam. Das Projekt SAFE wird getragen von dem Wissen und dem Engagement der ExpertInnen aus den betroffenen Communitys, die Traditionen sensibel hinterfragen und Aufklärung unermüdlich vorantreiben – ob in ihrer Community oder bei deutschen Fachkräften. Zusammen stehen wir an der Seite der betroffenen Mädchen und Frauen, bis FGM endlich Geschichte ist“, sagt Gesa Birkmann, Geschäftsführerin Politik und Themen bei TERRE DES FEMMES.
Weiterführende Links
TDF-Pressemitteilung zur neuen Statistik
TDF-Forderungen zum Thema Weibliche Genitalverstümmelung
Bücher zum Thema Weibliche Genitalverstümmelung
Digital-Ausstellung zum Thema FGM in Deutschland und Sierra Leone